Im Laufe eines Lebens…

passiert eine Menge. Bei mir begann es mit der Geburt im Kreiskrankenhaus der südhessischen Kreisstadt Groß-Gerau. Bei der evangelischen Zwangstaufe ein paar Wochen später erfuhr ich zum ersten Mal, dass man schnell auf dem Hintern landet, wenn im Leben nicht alles wie geschmiert läuft. Vor der Kirche hatte sich ein Rad an meinem Kinderwagen gelöst …

Die nächsten Jahre verpbrachte ich in Dornheim, wo ich bald eine kurze, aber erfahrungsreiche Zeit im evangelischen Kindergarten verbringen musste. Wer nicht parierte, wurde von Tante Else auf den großen schwarzen Ofen gesetzt, aber nur – so christlich war man doch – wenn kein Feuer darin brannte.

Die Schule des kindlichen Lebens war zunächst die Volksschule und ein Lehrer, der gelegentlich mit dem Holzlineal zuschlug. Andererseits war der Mann ein Freund der Musen und vermittelte uns Volkslieder und Gedichte. Vor allen Dingen durften wir beinahe täglich einen Aufsatz schreiben. Immer wenn der Lehrer eine besondere Begegnung hatte – zum Beispiel mit dem ersten Schneeglöckchen in seinem Vorgarten – ließ er uns darüber einen Aufsatz schreiben. Das gefiel mir. Wie die Geschichten im Lesebuch, die Abenteuer von Robinson Crusoe und Till Eulenspiegel. Mehr Lesestoff gab es zunächst nicht.

In der vierten Klasse entschied mein Vater, dass ich es einmal besserhaben sollte. Er schickte mich aufs Gymnasium. Meine Mutter meinte, ich würde das ja doch nicht schaffen. Sie behielt Recht. Weil ich in den Augen meiner Eltern zwei linke Hände hatte, musste ich nach dem Scheitern eine kaufmännische Lehre antreten. Nach bestandener Prüfung folgten Jahre im Büro, zwischenzeitlich Wehrdienst, weil mein Gewissen der strengen Prüfung nicht standhielt.

Nach der Qual im Büro die freie Wahl, ein Schriftsteller zu werden. Erste Gedichte und Geschichten in Anthologien und in diversen Blättern. Buchveröffentlichungen und erste Anerkennung. Euphorie und Existenzängste, Preise, Stipendien und schmerzvolle Ablehnung im steten Auf und Ab des Literaturbetriebs.

2003 die Geburt meiner Tochter Amelie, ein oder der Höhepunkt meines Lebens, der auch nicht durch den Nobel-Preis getoppt werden könnte. War es das? Noch lange nicht …!